Alternative zu Stroh als Raufutter

  • Hallo Forum,


    ich habe einen Esel mit COPD. Auslöser war wahrscheinlich schlechtes, staubiges Heu im letzten Herbst. Im Frühjahr hat sich noch eine Bronchopneumonie drauf gesetzt. Wir haben nun den Offenstall umgestellt. Liegematten, nur an der Pipistelle haben wir Späne, ansonsten streuen wir nicht ein. Ich habe sehr gutes, nahezu staubfreies Heu bekommen und der Husten hat aufgehört und dem Esel geht es viel besser. Er hatte im Winter stark abgenommen. Durch das gute Heu hat er wieder zugenommen und sieht gut aus. Dummerweise sehen nun zwei unserer anderen Esel nicht mehr gut aus, sie nehmen viel zu stark zu durch das gute Heu.

    Ich musste Stroh aus der Fütterung raus nehmen, weil der COPD- Esel darauf hustet. Ich kann aber auch nicht viel weniger Heu füttern, weil die Esel dann über viele Stunden ohne Raufutter wären. Trotz Heunetzten mit 2cm Maschenweite fressen sie das Heu unglaublich schnell, da sind sie sehr geschickt.

    1. Gilt für Esel auch die Regel wie bei Pferden- nicht länger als 4 Stunden ohne Raufutter?

    2. Hat schon mal jemand versucht nasses Stroh zu füttern? Ich habe immer Angst, dass es schnell verdirbt, gerade bei 30° Außentemperatur.

    3. Gibt es eine Alternative zu Stroh? Ich füttere zwischendurch getrocknete Disteln und Brennesel, weiß jemand, wie "gehaltvoll" die sind?


    Liebe Grüße

    Barbara

  • Stroh aus der Eselfütterung herausnehmen, geht "eigentlich" gar nicht.

    Die Faustregel beim Esel lautet: 70-75% Stroh, 25-30% Heu.


    Die Karenzzeit von 4 Stunden ohne Raufutter ist auch bei Pferden eine Traumidee -

    kaum ein professioneller Stall kann das einhalten.


    Ich würde doch versuchen, das Stroh gründlich zu tauchen und dann aus etwas

    grobmaschigeren Heunetzen zu verfüttern. Dadurch, dass die Netze hängen, düfte

    es nicht zur Schimmelbildung o.ä. kommen.


    uta

    Think positive -

  • Brennnesseln sind sehr eiweißhaltig, als "Nachtisch" aber schon ok.

    Die Ästeration zu vergrößern, sie sind ja auch Rauhfutter, und eigentlich werden sie ja gerne gefressen, könnte eine Teillösung für die ganz heißen Tage sein.

    Falls es Gerstenstroh ist: Habe ich nicht vertragen (-COPD mit Asthmaanteil-), Weizen und Haferstroh ging besser, könnte beim Esel vielleicht auch funktionieren.


    Irene

  • Danke für die Antworten. Das mit den verschiedenen Strohsorten werde ich auf jeden Fall mal ausprobieren. Mal schauen, ob ich verschiedene Sorten bekomme. Ich habe gestern Abend einen Heusack mit Stroh nass gemacht. Bisher haben sie es nicht angerührt, aber irgendwann wird der Hunger es hoffentlich rein treiben.

    Schade, die Brennnesseln sind dann ja keine wirkliche Alternative. Ist das bei Disteln genauso mit dem Eiweißgehalt?

    LG

    Barbara

  • Ich weiß nicht, ob der Eiweißgehalt von Disteln für die Futterration relevant ist -

    aber als Raufutter-Ersatz eignen sie sich bestimmt nicht.


    Wieviel Blätter und Rinden kannst Du Deinen Eseln denn bieten? Die wären schon eher was.


    uta

    Think positive -

  • Die Faustregel beim Esel lautet: 70-75% Stroh, 25-30% Heu

    Ja, das ist die Empfehlung. Aber ich finde das etwas problematisch.

    Es kommt doch darauf an, was sonst gefüttert wird, oder?


    Vielleicht ist das eine "Faustregel" für Esel, die Weide zur Verfügung haben und zugefüttert werden. Dann kann ich mir das vorstellen. Aber wenn quasi nur Heu und Stroh gefüttert wird, wie im Winter oder wenn leider keine Weide zur Verfügung steht, ist dann der Stroh-Anteil nicht zu hoch? Quasi 70% der gesamten Nahrungsaufnahme. Wäre da nicht durch die schlechte Verdaulichkeit des Strohs der Stoffwechsel überlastet?


    Hier in Frankreich, in der Gegend, wo wir wohnen gibt es traditionell viele Esel. Die Franzosen geben hier normalerweise gar kein Stroh. Die wunden sich immer, daß ich es tue.


    Nun ist das sicher auch eine Frage, welche Qualität das Heu hat. Hier auf den trockenen Magerwiesen, ist das ja schon fast "Gras-Stroh". Bestimmt verhält es sich anders, wenn man weicheres Heu füttert.


    Ich überlege nun auch, auf Stroh zu verzichten. Es ist ja nicht so einfach, gutes zu bekommen. Normalerweise wird Getreide ja stark mit Pestiziden und Halmverkürzern behandelt.


    Noch habe ich ein paar Ballen Bio-Weizenstroh, was meine beiden immer noch gerne fressen. Anderes lassen sie mir aber liegen.

  • Halmverkürzer spielen zum Zeitpunkt der Ernte keine Rolle mehr - das ist eigentlich ausdiskutiert. Pferdeleute sind auch

    schon drauf gekommen.


    Was den Strohanteil in der Eselfütterung angeht: Esel werten das Futter 30% besser als Pferde aus. Das Donkey Sanctuary empfiehlt sogar 75% Stroh und 25% Heu - und die sollten es ja eigentlich wissen...


    Weizenstroh als Futter ist allerdings wegen des hohen Stärkegehalts problematisch. Überhaupt ist es regional

    ja sehr unterschiedlich. Ich sage nur "fette norddeutsche Kuhweiden" oder sandige Magerweiden. Alles ein bisschen

    kompliziert.


    uta

    Think positive -

    Edited once, last by Finchen ().

  • Es ist schon problematisch, immer das optimale Futter zu bekommen. Leider muss man häufig nehmen, was man kriegt.


    Unsere Wiese ist leider sehr fett. Wir dürfen sie nicht Mähen, weil es Naturschutzgebiet ist und wir dürfen sie auch nicht parzellieren, es dürfen nur zwei "Tiereinheiten" pro Hektar stehen, das entspricht 2 Eseln oder 4 Schafen. Wenn sie also auf die Weide dürfen, dann nur sehr kurz und nicht jeden Tag. Das Gras steht im Moment hüfthoch.


    Äste haben wir auch nicht unendlich zur Verfügung. Wir haben 5 Weiden und ein paar Obstbäume auf dem Grundstück stehen. Aber es reicht für eine gute Portion jeden Tag.

  • Ich "habe" auch nicht alles, was ich gern hätte.

    Z.B. Stroh: Nur Roggenstroh, das eigentlich viel zuviel Lignin enthält und in der Qualität manchmal auch nicht so ist, wie ich es gern hätte. Ziemlich lieblos von der Agrargenossenschaft für die Kühe geerntet. Seltsamerweise fressen es aber alle

    (Pferde+Esel) gern. Weizenstroh gelegentlich ist natürlich der Hit - aber damit schlagen sie sich dann derart die Bäuche voll, dass es mir unheimlich wird. Und Gerstenstroh wird hier einfach nur untergepflügt...

    Think positive -

  • Unsere Wiese ist leider sehr fett. Wir dürfen sie nicht Mähen, weil es Naturschutzgebiet ist und wir dürfen sie auch nicht parzellieren, es dürfen nur zwei "Tiereinheiten" pro Hektar stehen, das entspricht 2 Eseln oder 4 Schafen. Wenn sie also auf die Weide dürfen, dann nur sehr kurz und nicht jeden Tag. Das Gras steht im Moment hüfthoch.

    Hi

    Wenn das Gras in der Blüte bzw kurz danach ist,hat es den höchsten Rohfaseranteil,geringe Proteine und ist optimal für die Esel.Meine COPD Stute frißt immer am liebsten die Grassamen zuerst.Die haben auch am meisten zu ihrer Genesung beigetragen.Meine Esel kommen immer erst in Mitte bis Ende der Grasblüte auf die Weide.Es ist der optimale Zeitpunkt.In meinem Blog habe ich ein klein wenig übers Gras und deren Inhaltsstoffe zusammen gefasst. Auch über Stroh,welches ein jeder Esel benötigt ,habe ich eine kleine Seite. Vielleicht für dich auch interessantes dabei.Stroh fressen meine übrigens auch nass,aber nicht aus dem Netz ,sondern frei zur Verfügung.So wühlen sie öfters da drin und es schimmelt nicht.Was übrig bleibt,geht auf das Eselklo.

    Agnes

  • Disteln:

    Zumindest die "Kratzdistel" gilt auch als Stickstoffzeiger, dürfte also auch eiweißreich sein.

    Wir hatten sie hier beim täglichen "Schlendern" entlang der Felder ziemlich dezimiert, sie ist (bei Eseln) ja außerordentlich beliebt (man muß natürlich vorher fragen,ob man die Disteln klauen darf und wissen, wann wo gespritzt wurde). Wenn sie erst mal verblüht sind, sind sie auch ballaststoffhaltig, aber dann kann nur noch ein Esel "ernten" oder man braucht wirklich sehr dicke Handschuhe. Alles, was unter "Milchdistel" fällt (z. B Gänsedistel"), ist eher wieder als "Nachttisch" geeignet.

    Was Äste angeht, habe ich die Erfahrung gemacht, daß viele Obstbaumbesitzer gerne welche abgeben und froh sind, wenn sie sie nicht entsorgen müssen (die Wasserschosse z. B.), und mit der Zeit kam mancher Zweigehaufen ganz von allein, auch im Sommer. Da braucht man natürlich nette Mitbürger dafür ... und Nachbarn mit Obstwiesen.


    Irene

  • Vielen Dank! Da unsere Wiese völlig unbearbeitet ist, besteht sie zur Hälfte aus Disteln und Brenesseln und zur anderen Hälfte eben aus dem hohen Gras und Kräutern. Tatsächlich fressen meine Esel im Moment auf der Weide auch mit Genuss die Grassamen. Oder eben die Disteln (es sind "Kratzdisteln"). Da es insgesamt 2 Hektar sind, wird das Gras nie kurz. Und da sie recht tief im Marschland liegt, ist sie auch bei den jetzigen Temperaturen nicht trocken.

    In der Summe scheint es dann ja die optimale Wiese für unsere Esel zu sein, oder?

    Also kann ich das Heu weiter reduzieren und mich trauen sie länger auf die Wiese zu lassen?

    Das mit dem nassen Stroh ohne Netz werde ich auch noch mal versuchen!


    Barbara

  • Gerade mal ausprobiert - nasses Stroh auf den Boden - es wird tatsächlich gefressen :-). Aus dem Netz haben sie es nicht gefressen.

  • Und man braucht Esel die die Äste mögen. Meine mögen keine Apfeläste und gerade von diese habe ich einige tausende Bäume. Um ihnen möglichst eine gesunde Abwechslung zu geben pflanzt man halt Bäume und Büche an.

    Gruß moni

    P. S. Im Hintergrund sieht man ein Teil vom Hundeparcour.

  • Und ich hab sie da, wo ich sie nicht brauchen kann - nämlich da, wo im Herbst

    die Früchte fallen. Rate mal, wer da morgens als erstes hinrast...


    uta

    Think positive -

  • Und ich hab sie da, wo ich sie nicht brauchen kann - nämlich da, wo im Herbst

    die Früchte fallen. Rate mal, wer da morgens als erstes hinrast...


    uta

    4beiner sind schneller wie 2beiner.

    Von den 4beiner nehme ich Laura.

    Gruß moni

  • Laura ist ein Kugelblitz - aber da sind ja noch fünf andere...

    die sind immer alle vor mir da, wenn ich ihnen nicht das Tor

    vor der Nase zuhaue.

    Think positive -

  • -hexe

    Hast du mal versucht, die Apfeläste so hinzulegen, daß sie das Gefühl haben, sie sollen sie nicht fressen?

    Es sind doch schließlich Jungs, vielleicht müssen sie ja "klauen" dürfen.

    Die Sache mit der anderen Seite des Zauns, wo das Futter viel besser ist ...


    Irene