Tiergestützte Interventionen - Auswirkungen auf die Tiere

  • Ich stoße hier mal ein Thema zum Austausch an, was mich schon eine Weile beschäftigt.


    Die positiven Effekte von tiergestützten Interventionen auf Menschen verschiedener Altersgruppen und Krankheitsbilder sind mittlerweile wissenschaftlich gestützt.

    Vor einiger Zeit habe ich mich mit einer Wissenschaftlerin der Uni Basel unterhalten, welche derzeit die Effekte der tiergestützten Therapie auf Tiere untersucht (verschiedene Tierarten, ohne Eselfokus). Sie berichtete von deutlichen Stresszeichen bei den meisten Interventionssettings, sowohl im Verhalten/Mimik der Tiere wie zum Beispiel Gähnen oder Zähneknirschen bei Pferden, als auch bezüglich körperlicher Parameter wie der Herzfrequenz.

    Das deckt sich mit meinem Eindruck, den ich bisher häufig bei solchen Maßnahmen hatte. Vorab: Wir haben selbst schon einige Zeit lang tiergestützt mit Kindern gearbeitet, weil ich diesbezüglich angefragt wurde, und ich habe im Setting sehr klare Grenzen gesetzt, was die Zeit, die Gestaltung des Tierkontakts und die Anzahl der Personen angeht. Ich habe aber auch schon einen Esel aus diesen Settings ausgeschlossen, weil er ordentlich Stress hatte. Bei einer Reittherapeutin in der entfernten Umgebung habe ich schon einige fast apathische oder deutlich genervte Pferde gesehen. Ja, diese Pferde sind geduldig und brav, aber müssen wir so etwas ausnutzen? Ich tue mir schwer darin, ein Tier als Instrument in der Therapie einzusetzen, wenn es dadurch negative Konsequenzen erfährt.


    Viele Eselhalter bieten mittlerweile Menschen in diversen Formen Kontakt zu ihren Tieren, deshalb freue ich mich über eure Meinung.

  • Lady, 12, die jüngste und empfindsamste Stute der Eselgruppe senkt manchmal ihren Kopf in den Schoß eines Menschen im Rollstuhl, wenn eine Gruppe uns auf der Koppel besucht. Dann folgt eine ganze Weile stummer Austausch von Emotionen zwischen den beiden, bis der Mensch im Rollstuhl über das ganz Gesicht strahlt und sich manchmal, wenn er das kann, auf Lady stützt und aufsteht.

    Lady ist danach fertig, wendet sich ab und fängt an zu grasen.

  • Was Du von Lady beschreibst, habe ich auch schon mit meinen Eseln erlebt.

    Allerdings habe ich ihr Verhalten "danach" anders interpretiert - nämlich nicht,

    dass sie "fertig" waren, sondern eher tiefenentspannt, weil sie sich

    von sich aus in diese ruhige Position begeben, diese ausgiebig genutzt und

    sich freiwillig wieder da raus begeben haben.


    Ich glaube nicht daran, dass Tiere "die Last des Menschen tragen" oder so - falls Du das

    meintest.


    uta

    Think positive -

  • Hallo Uta,

    nö - ich glaube nicht, dass sie sich die Last aufhalsen lassen, Lady hat dann alles gegeben - aber was?

    Ich weiss es nicht. Es gibt ein paar Geschichten, z.B. "Amber und ihr Esel", die berühren, aber was da non-verbal stattfindet, ist mir im Grunde genommen verschlossen.

  • Wenn "fertig" mit Sitzung beendet zu übersetzten ist,

    kann ich das für unsere bestätigen: Alle (Esel, Hunde, Katzen, Schafe und Ziegen) hatten, bzw haben Menschen, denen sie lieber aus dem Weg gehen und Menschen, die sie mögen und zwar schon auf den ersten Blick und teils auch schon ganz jung.

    Witzigerweise sind sich die verschiedenen Tiere auch oft einig, was ihre Einschätzung eines Menschen/ Kindes angeht, obwohl sie nicht voneinander abgucken können, da räumlich und/oder generationenmäßig weit auseinander.

    Waren aber immer nur zufällige Bekanntschaften oder erweitertes normales Umfeld plus Kindergarten- und Schulfreunde, und wir immer dabei.


    Und Lieblingsmenschen bleiben das manchmal auch, wenn man sich jahrelang nicht sieht.


    Wenn man also Tiere selber wählen lassen kann, ob sie da nun mitmachen wollen oder nicht, sehe ich da kein Problem.


    Wenn man aber an den Menschen gerät, der nun ausgerechnet "den Schwarzen da" streicheln möchte, der weit weg steht, obwohl der gefleckte da steht und anhimmelt, dann bricht man das Ganze besser ab, bevor ein Kreisch-Zorn-Trotz-Anfall alles zum Beben bringt. Selten, diese Sorte Mensch, aber es gibt sie.


    Wer jetzt seinen Lebensunterhalt mit Therapietieren bestreiten muss, hat diese Wahl möglicherweise nicht.


    Ausbeuten von Tieren ist aber generell ein Thema, zu dem viel zu sagen wäre.


    Irene

  • Guten Abend, ich finde es gut, den Blickwinkel einmal zu wechseln und die Situation der Tiere "bei der Arbeit" genauer zu betrachten. Ich arbeite in einer Kinder- und Jugendeinrichtung, die seit vielen Jahren Tiere hält (Esel, Ziegen, Hühner, .......) mit denen ich und weitere Kollegen/Innen pädagogisch arbeiten. Es ist aus meiner Sicht dabei sehr wichtig, sich personell eine stabile Situation zu schaffen, die es ermöglicht auch die Befindlichkeiten der Tiere gut im Auge zu behalten. Das hört sich profan an, kann aber bei Nichtbeachtung und unter dem Motto "das kriegen wir schon hin" zu Fehlverhalten und Fehleinschätzungen bei Mensch und Tier führen. LG Berthold.

  • Beispiel Streichelzoo: Ich habe ein Mauleselchen aus so einem Ding, in dem die Kinder unbeaufsichtigt mit den Tieren

    zusammen waren. Es hat Jahre bedauert, bis die schüchterne Laura sich an den Ohren anfassen ließ: wobei sie ganz

    bestimmt nie wirklich gequält wurde, nur eben keine Ausweichmöglichkeiten hatte.


    uta

    Think positive -

  • Hallo.

    Wenn ich Veranstaltungen habe, dann sind die Esel zum Kennenlernen frei. D. H. Wenn ein Esel keine Lust hat (warum auch immer) kann er in ihren ruhebereich. Der Esel wird dann auch nicht eingesetzt. Auch wenn sie liegen (Sonnenbaden) dürfen die Kids nicht dran. Bei mir sind bis jetzt alle herzlich aufgenommen worden von den Esel. Meist motzen die Esel wenn sie nicht gleich beachtet werden. Auch wollen bei mir alle Esel immer mit und das hst nichts mit dem fressen zu tun, da bei mir auf Wanderungen fress Verbot herscht.

    Gruß moni

  • Es ist ein schwieriges Thema. Ich verstehe wenig davon und meine, es kommt immer auf den Halter des Tieres an, ihm Stress zu ersparen. Wenn es aber ums Geld geht, steht das Wohl der Tiere wie immer hinten an.


    Streichelzoos sind ein anderes Thema. Hier bin ich klar der Meinung, so etwas geht gar nicht. Die Tiere werden ohne Rücksicht ausgenutzt und sind nur zur Belustigung da. Schlechte Haltung und falsche Fütterung sind die Regel.

    Gruß aus Alfter
    Es gibt Tage im Leben eines Mannes, da sollte er seinen Hut nehmen, sein Pferd satteln und der Sonne entgegen reiten.

  • Es ist ein schwieriges Thema. Ich verstehe wenig davon und meine, es kommt immer auf den Halter des Tieres an, ihm Stress zu ersparen. Wenn es aber ums Geld geht, steht das Wohl der Tiere wie immer hinten an.


    Streichelzoos sind ein anderes Thema. Hier bin ich klar der Meinung, so etwas geht gar nicht. Die Tiere werden ohne Rücksicht ausgenutzt und sind nur zur Belustigung da. Schlechte Haltung und falsche Fütterung sind die Regel.

    Hallo benny.

    Es geht sehr wohl. Geld verdienen und auf das Wohl der Esel zu achten.


    Streichelzoo geht auch, guter großer Rückzugsort und die Tiere kommen trotzdem her auch ohne Futter.

    Gruß moni

    P. S. Ich habe ein Erlebniszoo

  • Das ist bei Dir ganz was anderes, Du hast bestimmet keine Futterautomaten wo die Tiere gemästet werden. Die Leute sind bei Dir auch unter Aufsicht. Das ist kein typischer Streichelzoo.

    Ausserdem lernen die Kinder was bei Dir, auch ein Unterschied.

    Gruß aus Alfter
    Es gibt Tage im Leben eines Mannes, da sollte er seinen Hut nehmen, sein Pferd satteln und der Sonne entgegen reiten.

  • Moni hat ganz bestimmt keinen typischen Streichelzoo ;-).

    Ihr Erlebnisbauernhof mit Eseln, Schafen, Ziegen usw. hat tatsächlich Hand und Fuß

    und ist "ein Erlebnis" wert.

    Mit "Erlebniszoo" hat sie aber ein bisschen tief gestapelt.


    uta

    Think positive -

  • Das glaube ich auch Uta, das ist für mich auch kein Streichelzoo.

    Gruß aus Alfter
    Es gibt Tage im Leben eines Mannes, da sollte er seinen Hut nehmen, sein Pferd satteln und der Sonne entgegen reiten.

  • Mir ist auf die schnelle nichts anderes eingefallen. Besser passt erlebniszentrumtiere. (erlebniszentrum ist ein Teil vom betriebsname)

    Gruß moni

    Edited once, last by -hexe ().

  • Das ist bei Dir ganz was anderes, Du hast bestimmet keine Futterautomaten wo die Tiere gemästet werden. Die Leute sind bei Dir auch unter Aufsicht. Das ist kein typischer Streichelzoo.

    Ausserdem lernen die Kinder was bei Dir, auch ein Unterschied.

    Meine "erlebnistiere" sind vom Besuchergitter heute Mittag nicht mehr weg gegangen. Ich stelle ins Gehege gitter rein, so können die Besucher ins Gehege rein aber nur in einen Bereich und die Tiere können nicht abhauen oder die Besucher dreckig machen . Sobald das gitter hin gestellt wird wissen die Schafe und Ziegen dass Besuch zu ihnen kommt.(das sie mehr Platz haben wird es wieder abgebaut,geht schnell). So ein verschmuster schaf Bock (keine flaschenaufzucht) wie balu ist hat ich noch nie. Er holt sich täglich seine schmuse Einheiten ab, Futter steht an zweiter Stelle. Er würde sich in der tiergestützte intervention sehr gut machen. Die anderen Schafe kommen zwar auch her aber nicht so extrem. Bei ihm darf jeder das lanolin ertasten ohne das er Stress hat. Müsste ja nur 2 Schritte zur Seite machen und satt war er auch, sie waren heute früh den ganzen Vormittag im saftigen grünen Gras zum normalen Futter dazu.


    Bei den Esel habe ich auch welche die einem nicht von der Seite weichen, aber balu top sie noch.

    Gruß moni

  • Zu mir kommen 2 Familien, unabhängig von einander, und meistens nur die Mutter. Beide haben 1 Jungen, der eine ist drei, der andere wird drei.

    Warum kommen sie, wegen der Hühner. Beide Jungen sind fasziniert von den Hühnern, sie stehen da und wollen nur gucken.

    Der ältere hat jetzt Wachteln bekommen und wir können immer 'fachsimpeln'.

    Da Hinkel ja handzahm ist, können sie auch mal ein Huhn streicheln.

    Ich kann mich natürlich nicht mit Moni vergleichen, aber es ist schön, leuchtende Kinderaugen zu sehen ohne das die Tiere Stress haben.

    Gruß aus Alfter
    Es gibt Tage im Leben eines Mannes, da sollte er seinen Hut nehmen, sein Pferd satteln und der Sonne entgegen reiten.

  • Zu mir kommen 2 Familien, unabhängig von einander, und meistens nur die Mutter. Beide haben 1 Jungen, der eine ist drei, der andere wird drei.

    Warum kommen sie, wegen der Hühner. Beide Jungen sind fasziniert von den Hühnern, sie stehen da und wollen nur gucken.

    Der ältere hat jetzt Wachteln bekommen und wir können immer 'fachsimpeln'.

    Da Hinkel ja handzahm ist, können sie auch mal ein Huhn streicheln.

    Ich kann mich natürlich nicht mit Moni vergleichen, aber es ist schön, leuchtende Kinderaugen zu sehen ohne das die Tiere Stress haben.

    Super das du ihnen es ermöglichst.


    Stimmt mit mir brauchst du erst gar nicht anfangen zu vergleichen zu viele Unterschiede, Du bist männlich und ich weiblich. Grins

  • "Stimmt mit mir brauchst du erst gar nicht anfangen zu vergleichen zu viele Unterschiede, Du bist männlich und ich weiblich. Grins"


    Das ist irgendwie nicht mehr steigerungsfähig - *lachmichschlapp.

    uta

    Think positive -

  • :thumbup::thumbup::thumbup:

    Gruß aus Alfter
    Es gibt Tage im Leben eines Mannes, da sollte er seinen Hut nehmen, sein Pferd satteln und der Sonne entgegen reiten.

  • Zu mir kommen 2 Familien, unabhängig von einander, und meistens nur die Mutter. Beide haben 1 Jungen, der eine ist drei, der andere wird drei.

    Warum kommen sie, wegen der Hühner. Beide Jungen sind fasziniert von den Hühnern, sie stehen da und wollen nur gucken.

    Das konnte ich auch schon oft beobachten. Wir haben immer mal wieder Kinder von Freunden und Verwandten hier.

    Die kleinen Ponys, Pferde oder das Maultier ist nicht die "Hauptattraktion"! Es sind die Hühner ^^

    Vielleicht weil sie " handlicher " sind?

    Sich so schnell bewegen.. Ich weiß es nicht. Finde es aber immer sehr faszinierend wie auch aufgedrehte Kinder bei den Hühnern zur Ruhe kommen.