Ältere Esel an Halfter, Pflege etc. gewöhnen

  • Hallo!

    Ich bin neu hier und nicht gerade eselerfahren, aber voller Hoffnung hier Antworten auf meine Fragen zu erhalten.

    Mit meiner Familie wohne ich auf einem Resthof zur Miete. Der Besitzer wohnt in der Nähe und hat direkt an unserem Haus, neben etlichem anderen Getier, zwei Esel stehen. Die beiden sind ca. 15 Jahre alt und kennen außer ihrer Wiese eigentlich nichts. Beide sind eher misstrauisch und lassen sich nur wenig bis gar nicht streicheln. Mir tun die Jungs leid und ich würde mich gerne mit Ihnen beschäftigen. Für den Besuch des Hufschmieds werden die zwei in den Stall (steht auf der Wiese) gesperrt und das Einfangen ist (für den Besitzer) immer äußerst anstrengend. Nun meine Frage: Wie schaffe ich es, dass die Esel Vertrauen zu mir aufbauen und ich sie aufhalftern und striegeln kann, ohne dass sie in Stress und Panik geraten?

  • Hallo Annika,


    schön das du den Weg zu uns gefunden hast. Woher kommst du denn? Ich rate dir erstmal, stelle dich so oft du kannst an ihren Zaun und beobachte sie. Sie werden neugierig werden wenn du sie nicht bedrängst, wenn sie auf dich zu kommen halte deine Hand hin damit sie merken du willst nicht von ihnen. Das wird schon eine lange Zeit brauchen, lass ihnen die Zeit. Der Rest kommt später, es ist mit Stress verbunden wenn der Hufschmied kommt.


    LG Petra

    Tiere jammern nicht wenn der Mensch fehler macht, sie danken es dir aber wenn du sie mit respekt behandelst.

  • Hallo Annika.

    Sind die Jungs kastriert?

    Dann kannst du auch gerne dich mit einem Buch auf einem Stuhl in die Wiese reinsetzen. Je mehr man sie ignoriert umso sicherer fühlen sie sich.

    Wenn sie Mal her kommen sollten, würde ich sie ignorieren umso interessanter bist du. Das berühren kommt dann beim zweiten oder dritten Mal. Je langsamer man ist umso schnellere Schritte kann man später machen.

    Wenn es Hengste sind würde ich wie Petra geschrieben hat vorgehen.

    Gruß moni

  • Willkommen, Annika.

    Moni und Petra haben ja schon beschrieben, "wie es geht"; also niemals bedrängen, immer ihre Individualdistanz respektieren, nie "zwangsstreicheln".


    In diesem Fall halte ich es übrigens für sehr wichtig, dass Du beim nächsten Besuch des Hufschmieds nicht dabei bist. Das ist für die Esel ja keine gute Situation und sehr stressbeladen. Als "Fremde" wirst Du nicht hilfreich sein für sie - aber sie könnten Deine Gegenwart mit dem Schmied und dem für sie unheimlichen und unangenehmen Geschehen verbinden. Also lieber unsichtbar machen und denken "beim nächsten Mal wird es vielleicht leichter werden für euch".


    Fein, dass Du Dich um die Beiden kümmern möchtest. Du wirst sehen, Esel sind sehr sensible und freundliche Tiere. Man muss ihnen halt immer die Chance geben, erst darüber nachzudenken, was gerade geschieht und wie sie reagieren können.

    Es gibt ein hilfreiches Wort, das nicht genau stimmt, aber ein Anhaltspunkt sein kann "Einem Pferd befiehlt man, einen Esel bittet man, mit einem Maultier verhandelt man." Ich habe "alle drei Sorten" und kann das nur bestätigen.

    Also immer hübsch höflich und zurückhaltend sein. Bis die Beiden so weit sind, dass sie "frech" werden und vielleicht drängeln und Du "Erziehungsmaßnahmen" ergreifen musst, wird es noch dauern. In der Zwischenzeit kannst Du Dich an jedem kleinen Annährungsschritt freuen.


    Gruß uta

    Think positive -

  • Da kann ich mich nur anschließen. Viel Geduld und kleine Schritte. Das mit dem Schmied kennen sie ja nur als unangenehm und stressig.

    Sind sie denn beim Schmied ruhig oder klappt das auch nicht.

    Gruß aus Alfter
    Es gibt Tage im Leben eines Mannes, da sollte er seinen Hut nehmen, sein Pferd satteln und der Sonne entgegen reiten.

  • Vielen Dank für die schnellen Rückmeldungen!

    Die beiden sind kastriert!

    Den Besuch beim Schmied begleite ich nicht, sondern beobachte nur aus weiter Ferne. Die beiden werden eher fixiert, als entspannt am Strick festgehalten - nicht schön anzusehen:(

    Ich werde einmal versuchen mich gemütlich auf der Wiese zu platzieren. Leider laufen dort noch zwei aggressive Gänse herum und drei penetrante Ziegen, was das ganze vermutlich etwas schwierig macht. Ich könnte zwar versuchen, die Esel in eine Art "Vorplatz" (kleiner abgeteilter und geschlossener Bereich) vor der Hauptwiese zu locken, aber dann fühlen sie sich vermutlich direkt bedrängt:/

  • Leider laufen dort noch zwei aggressive Gänse herum

    Aber Annika, die wollen doch nur spielen :D:D


    Ich vermute mal, das die zwei auch nicht regelmäßig geputzt werden und deshalb das anbinden nicht gewöhnt sind.

    Gruß aus Alfter
    Es gibt Tage im Leben eines Mannes, da sollte er seinen Hut nehmen, sein Pferd satteln und der Sonne entgegen reiten.

  • Da vermutest du richtig - die beiden werden nie!!!! geputzt. Sie sind am Zaun zutraulich und freuen sich, wenn ich komme. Auf der Wiese haben sie vor mir zwar keine Angst, aber sie gehen eben weg, wenn man sie streicheln möchte (schnuppern an der ausgestreckten Hand tun sie eigentlich immer). Sie kennen das Halftern nur in Verbindung mit dem Schmied. Daher bin ich unsicher, ob es vielleicht besser ist, sie (wenn sie sich irgendwann das Streicheln gefallen lassen) einfach ohne Halfter erst einmal mit einer Bürste "zu streicheln".

  • Ich denke, das wird ihnen gefallen, vor allem da jetzt der Fellwechsel kommt. Aber nichts übereilen, schau mal, welcher zuerst zu Dir kommt und konzentrier Dich auf den. Der andere wird dann auch wollen. und rede mit Ihnen, die Stimme wird sie auch beruhigen.

    Wallache sind eigentlich verschmuster als Stuten.

    Gruß aus Alfter
    Es gibt Tage im Leben eines Mannes, da sollte er seinen Hut nehmen, sein Pferd satteln und der Sonne entgegen reiten.

  • Hallo Annika,


    willkommen auch von uns :)


    Es ist schon mal prima, wenn die beiden Interesse an dir zeigen und dich beschnuppern möchten.

    Anfassen lassen sie sich dann später erst, wenn sie interessierter an dir werden.

    Vor allem, wenn du die schönen Kraulstellen findest ;) z.B. meine mögen es, unter dem Kinn gekrault zu werden zwischen den Kieferknochen, da kommen sie selbst so schlecht hin. An der Brust ist auch ganz schön. Ohren sind super, aber heikel - da darf man nur nach "Vorarbeit" hinfassen, dann ist es aber Genuss pur.


    Wenn die beiden das Halfter nur negativ kennengelernt haben, kann man anfangs auch einfach mit einem alten Gürtel als Halsriemen anfangen, das beängstigt nicht so. Danach dann vielleicht auch erst mal nur mit dem Halfter ohne Zwang vertraut machen - es kann neben dir liegen, du bindest es dir um und es tut nichts - denn du willst es ihnen erst mal gar nicht anziehen. Schritt für Schritt kommt man bei Eseln am Ende zügiger voran als wenn man zuviel auf einmal möchte.


    Mit 15 sind die auch noch nicht so alt ^^ - unser alter Esel hat uns Menschen erst mit über 25 kennengelernt und kannte und konnte nichts. Meine Töchter haben ihm ganz ruhig alles beigebracht, was ein Esel können muss. Da er gern spazieren geht, hat er das Halfter anziehen mit Ausgang in Verbindung gebracht und ganz schnell gelernt. Hufe geben ist zwar keine Freude, aber er durfte am Anfang immer Absetzen, wenn er das brauchte und musste die Füße auch nur so hoch heben, wie es erforderlich ist. Aber jedes mal vor und nach dem Spaziergang - die Routine macht´s. Er hebt die Hufe schon lange ganz von allein - er weiß ja, was wir wollen. Esel sind Gewohnheitstiere.


    Esel unterscheiden ihre Menschen - wenn sie gelernt haben, dass ihnen von dir nichts böses droht bzw. wenn mal was blöd ist, dass das dann auch sein muss, dann sind sie umgänglich und kooperativ.


    Es ist ja gut, dass du dein Eselkennenlernen ohne Zeitdruck einfach so angehen kannst, wie die beiden das mitmachen.

    Das gibt dir den "Luxus", die bei Situationen, die für die Esel doof sind, fernzuhalten und sie können erst mal angenehme Erlebnisse mit deiner Person verknüpfen.


    Viel Erfolg und Freude mit den eseligen Freunden,

  • Vielen Dank für die vielen Tips, ich freue mich schon richtig bei dem anstehenden schönen Wetter Zeit mit den Jungs zu verbringen! Ich werde euch sicher noch häufiger Fragen stellen und über unsere Fortschritte auf dem Laufenden halten!

  • Ein kleine Tip noch von mir.

    Wenn du die Koppel betrittst. Niemals direkt auf die Esel zulaufen. Auch wenn sie Mal zu dir vertrauen gefasst haben. Immer in Schlangenlinien auf sie zu gehen. Nur gefährliche Raubtiere gehen direkt.


    Kannst du nicht evt. Die Ziegen und Gänse in den seperaten Bereich sperren?

    Gruß moni