Doppellonge, Fahren vom Boden

  • Hallo, ich bin neu hier im Forum.

    Ich habe vor einem dreiviertel Jahr einen Esel vorm Schlachten bewahrt. Der kleine Mann ( Wallach; 120cm Stockmaß) kannte bis dahin nicht viel. Inzwischen hat er viel dazu gelernt. Er ist halfterführig, gibt artig Hufe, zieht auch ein Ortscheid hinter sich her, steigt aufs Podest und geht sogar durch ein kleines Planschbecken. Worauf wir schon sehr stolz sind.

    Nun soll der junge Mann (5 Jahre) kommendes Frühjahr eingefahren werden. Ich würde dazu gerne vorbereitend etwas Langzügelarbeit, Doppellonge oder Fahren vom Boden aus machen. Und hier ist mein Problem: sobald ich nicht neben/vor im laufe, geht er keinen Schritt. Alles Auffordern mit Peitsche oder Stimme bringt rein gar nichts. Die Peitsche ist ihm völlig „schnurz“. Das bereitet mir großes Kopfzerbrechen, da er ja später vor der Kutsche auch auf die Peitsche reagieren muss. Heute hatte ich die geniale Idee, eine Plastiktüte an der peitsche zu befestigen, um ihn vorwärts zu bekommen. Das ging ca. 5 Minuten. Dann war ihm auch die Tüte egal.

    Bin ziemlich am Ende mit meinem Latein. Ich habe über 25 Jahre Pferdeerfahrung. Eselerfahrung leider keine.

    Bin für jeden Tipp dankbar.

    VG Edwina

  • Hallo.

    Läuft dass Tier wenn du auf der Koppel/paddock hinter ihm läufst?frei ohne Strick und co.

    Falls nicht würde ich es dort üben, dass es nach und nach für ihn Routine ist.

    Falls dies klappt würde ich eine zweite Person ihn von der Seite führen lassen und du bist passiv hinter ihm. Wenn dies klappt übernimmst du immer mehr und der daneben macht immer weniger.


    So hatte ich es mit meinem einen gemacht, mit einem anderen habe ich mich nach und nach immer weiter hinter fallen lassen, bis ich irgendwann am Hintern war. Hatte dies für Langzügelarbeit gemacht.

    Gruß moni

  • Wenn er frei läuft, klappt das leider auch nicht. Im Gegenteil. Er ist super neugierig und tippelt immer HINTER mir her. Von mir wegschicken, so wie ich das bei Pferden kenne, klappt leider nicht.

    Gestern hab ich eine zweite Person zu Hilfe genommen, die an seinem Kopf ging. Das klappte gut. Nur leider hab ich diese zweite Person nicht immer zur Verfügung...

  • Um eine zweite Person wirst Du vermutich nicht rum kommen...


    Du bist PFerde gewöhnt, und Pferde sind Fluchttiere (wissen wir ja ...). Die kann man mit der Peitsche "animieren" und/oder antreiben = Druck (denk bitte nicht, ich will hier etwas verurteilen, bin selbst "alte Pferdefrau", aber es ist nun mal so).

    Bei Eseln funktioniert das nicht; Esel sind nur bedingt Fluchttiere, da klappt das mit dem "Drohen von hinten" nicht.


    Denk an den alten Spruch "Einem Pferd befiehlt man, einen Esel bittet man, mit einem Maultier muss man verhandeln." Das stimmt hunderprozentig.


    Dein Esel sieht vermutlich den Sinn nicht ein bzw. versteht nicht, was Du von ihm möchtest.

    Deshalb wirklich eine zweite Person, die den Esel führt,und Du von hinten mit entsprechenden auffordernden Worten. Das müsst Ihr solange machen, bis das Eselchen begriffen hat, was es tun soll. Dann - wie Moni schon geschrieben hat - geht die Begleitperson immer weiter nach hinten.

    Ich würde anfangs keine Fahrpeitsche nehmen, sondern eine lange (!) Dressutgerte udn damit bei der entsprechenden Aufforderung auf die Kruppe des Esels tippen. Mit Stöckchen antippen ist einfacher zu verstehen und funktioniert fast immer, auch richtungsgebend. In "Esel"-ländern werden die Esel meist ohne Zäumung, aber mit Stöckchen - nicht mit Peitsche - geritten und oft auch gefahren.

    Dann kommt natürlich noch die Sache mit der Lenkung: Was für eine Zäumung hast Du denn? Überhaupt was für ein Geschirr? Doppellongengurt, Brustblatt oder Kummet?


    uta

    Think positive -

    Edited once, last by Finchen ().

  • Ja, dann werde ich wohl um die Hilfe der zweiten Person nicht herum kommen. Dass Esel dem Druck nicht weichen, ist mir gleich am Anfang klar geworden. Nur fällt es mir eben als Pferdemensch nicht immer ganz leicht, das entsprechend umzusetzen. Mit gaaanz viel Lob haben wir uns ja auch schon viel erarbeitet (Podest und Pool z.B.), worauf ich mega stolz bin. :-) Und es scheint auch so, dass der Esel alles „für immer“ kann, was er einmal gecheckt hat. Bei uns ist das jedenfalls so. Pferde sind da ganz anders...

    Wir haben ein Brustblattgeschirr mit Kopfstück mit Wassertrense. Aktuell nehme ich aber nur Longiergurt und Knotenhalfter. Von großartigen Biegungensind wir ja noch meilenweit entfernt. Aktuell wäre das Ziel, dass er einfach ein wenig vorwärts geht, während ich hinter und nicht neben ihm gehe...

  • Scheint Dein erster Esel zu sein? Dann mach Dich auf weitere Überraschungen gefasst :-) .

    Ich hab seit über vierzig Jahren Esel (Pferde schon länger) und staune immer wieder über ihre Intelligenz. Und darüber, wie sie sie "verstecken". Man merkt es ihnen nicht an, wenn sie etwas verstanden haben, weil sie es selten - wie Pferde und Hunde es manchmal tun - "anbieten". Wenn man den richtigen Knopf gedrückt hat, kann man es abrufen. Sie haben insgesamt eine sehr stille Art - es dauert lange, bis sie sich jemandem gegenüber aufschließen; deutlich länger als normalerweise bei Pferden.

    Und als Pferdemensch vergisst man immer wieder, dass sie alles, aber auch alles erkläre haben wollen - mit "Mechanik" wie bei PFerden (nein, ich will die bestimmt nicht runter machen...) läuft bei denen nix.

    Da hast Du ja noch spannende Zeiten vor Dir - sozusagen eine andere Tierart entdecken...


    Gruß aus dem Wilden Osten

    uta

    Think positive -

  • Und es wird nicht dein letzter Esel sein und weg bin ich hihi.


    LG Petra

    Tiere jammern nicht wenn der Mensch fehler macht, sie danken es dir aber wenn du sie mit respekt behandelst.

  • Hallo Puschel,


    mit einen kleinen Schmunzeln lese ich die Ratschläge und Dein "Erstaunen" hier im Forum.

    Da staunt der Pferdekenner und Eselleute wundern sich immer wieder .

    Auch ich wollte mal meine "Bodenarbeitskenntnisse" bei meinen Eseln anwenden.

    Anfangs ging das auch sehr gut, aber dann war es meinem Grautier zu eintönig.

    Es kannte den " Weg" doch - also warum immer im Kreis laufen ?

    Würde Dir sicher auch nicht gefallen !

    In einer Oelmühle in Marokko habe ich so einen "Kreisesel" gesehen. Aber man hatte ihm die Seite zur

    Mitte (Drehpunkt) mit Pappe zu gehängt.


    Ein Tip : ich habe statt Wassertrense, eine doppelt gebrochene Trense benutzt. Die bohrt sich nicht

    in den Gaumen. Zum Fahren dann eine Kandarre.


    Macht weiter so ! Ich lese gerne erlebte Geschichten :)


    Mit eseligen Grüßen

    Asina

    Wo die Pferde versagen, schaffen es die Esel

  • Ja, ewige Wiederholungen finden Esel ziemlich sinnlos. Nach dem Motto: Ich habe es doch schon begriffen. :-)

    Deshalb ist Longieren bei Eseln wohl auch sinnlos.

    Der Esel lehrt mich viel. Vor allem Ruhe und Geduld. Ich bin sonst eher der dominante Typ.

    Ich liebe den kleinen Kerl. Obwohl er mich echt an meine Grenzen bringt. ;-)

  • Da sei mal froh, das Du kein Maultier hast - da sind die Grenzen NOCH enger gesteckt für uns Menschen.


    Ich hab neben Pferden und Eseln ein Mauleselchen..... O MANN! Dieses ständige Hin und Her zwischen Pferd und Esel ... echt anstrengend, aber auch witzig. Man muss halt flexibel sein.


    Und die Kleine hat eine Art von "Verschmitztheit" - wenn ich das mal vermenschlichend sagen darf, was ich sonst nicht tue -

    die mich gelegentlich einfach umhaut...


    Gruß uta

    Think positive -

  • Puschel8 viel Erfolg und vor allem eselige Geduld.


    Ein Esel von mir mag dass fahren vom Boden gar nicht. Andere liebend gerne.

    Gruß moni

  • Da hatte ich doch heute tatsächlich die Idee, den Esel als Handesel an meinem Pony (geritten) mitzuführen. Ging auch paar Minuten gut. Dann aber hat sich Eselchen immer weiter nach hinten fallen lassen und in den absoluten Schleichgang geschalten. War nix zu machen. Er hat mich fast nach hinten vom Pony gezerrt. Zum Glück war es nur eine klitzekleine Dorfrunde, so dass wir es einigermaßen wieder zum Stall zurück geschafft haben. Mit dem Gefühl, mein rechter Arm sei nun erhebliche länger als der linke.

    Habe dann den Esel ohne Pony noch ein bisschen auf der Dorfstraße umhergeführt. Selbes Spiel: Schleichgang. Absolut nicht vorwärts zu bekommen.

    Ich bin gerade mit den Nerven am Ende und für jeden guten Rat dankbar!

    Seeehr gerne auch praktische Hilfe, falls jemand aus Richtung Leipzig/Gera Interesse hat!

  • Hihi...der "absolut Schleichgang" war vermutlich das normale Eseltempo, ca. 3 km/h.

    Das ist schon für Menschen gemächlich, für ein Pferd komplett unter Tempo.


    Esel haben eben nicht den Vorwärtsdrang wie Menschen. Und ein Esel allein hat auch nicht

    immer Lust mit einem Menschen spazieren zu gehen - Wo bitte ist denn da der Sinn...?

    Er sieht keinen darin, weil er nicht den Bewegungsdrang hat wie ein Pferd. Natürlich gibt es

    Esel, die den haben; auch eine natürliche Neugier und alles sehen wollen. Aber nicht jeder

    ist so.


    Jetzt bist du aber komplett in "die Eselwelt" gefallen, was?

    Eines steht fest: Dein Esel wird sich Dir nicht anpassen. Darüber kannst Du Dich dann ärgern, oder

    Du passt Dich ihm an. Dann werdet Ihr vielleicht viele erholsame meditative Spaziergänge haben.

    Mit dem Pony kann das höchstens klappen, wenn die beiden eng befreundet sind und kommunizieren.

    Aber das ist tatsächlich selten.


    Wie wäre es andererseits, wenn Du mal einen Basiskurs Eselwissen machen würdest? Dann kämest du

    vielleicht auch mit unterschiedlichen Eseln zusammen, ausgebildeten und noch nicht ausgebildeten. Solch

    ein Kurs lohnt sich in jedem Fall als Pferdehalter. Die Esel sind eben anders.


    Kopf hoch!

    uta

    Think positive -

  • Oh weh. Wie soll denn der Esel jemals vor der Kutsche gehen? ? Im „Schleichgang“?? Wir waren in Nechern bei Familie Wulke und da werden die Esel ja auch recht flott gefahren. Und bei Leipzig gibt es eine junge Frau, die reitet ihre Esel in allen Gangarten. Also irgendwie muss das doch möglich sein!

    Den Basispass Eselkunde mache ich im Frühjahr 2019. Ich würde aber gerne schon jetzt mit dem Esel arbeiten!

    Falls irgendwo in Mitteldeutschland noch vorher „irgendein“ Esel-Grundlagenkurs angeboten wird, liebend gerne! Vielleicht weiß jemand was?

    VG Edwina

  • Wenn du bei der Familie Wulke warst dann wirst du mitbekommen haben das Esel nur kurze strecken schnell laufen. Es ist nicht ihre Natur, es sind nun mal keine Pferde. Esel haben keinen grund schnell zu laufen, warum auch? Es sind keine Fluchttiere. Wenn du schon Kutsche fahren möchtest mit Geschwindigkeit dann bitte mit Pferden, bei Eseln soll man ja entspannen und du kannst fast als Fußgänger neben ihnen herlaufen. Das ist es ja, du sollst die Landschaft dir anschauen und sollst nicht auf der flucht sein. Pferde sind wirklich anders als Esel. Darum liebe ich ja beide Tierarten sie sind so verschieden.


    LG Petra

    Tiere jammern nicht wenn der Mensch fehler macht, sie danken es dir aber wenn du sie mit respekt behandelst.

  • Es ist auch nicht jeder Esel gleich. Wir haben alles - vom Schleich- bis zum Rennesel. 3 unserer Esel mögen den Schritt vor der Kutsche wenig, sie sind lieber im flotten Trab unterwegs. Der Rest bevorzugt den Schritt mit Trabstrecken.


    Edwina, versuch doch mal, deinen Esel geistig zu fördern. Wenn du mit ihm deine Dorfrunde machst, lauf nicht einfach so durch die Gegend, das ist langweilig. Slalom und Volten um jede Straßenlampe, Mülltonne etc. , stehen bleiben, rückwärts schicken, wieder vorwärts laufen. Du musst deinen Esel dabei beschäftigen, damit ihm nicht langweilig wird. Das Gehirn muss pausenlos arbeiten.

    Liebe Grüße
    Heike

  • Es kann sein dass du ein Esel hast der Beachtung haben will.

    Ich habe ein kleinen Verlassesel dabei, diesen kann ich ohne Probleme einer fittem 3jähriger Person an die Hand geben alleine. ( Erwachsene ist direkt daneben) und der Esel läuft perfekt mit dem Kind mit. Wenn die anderen Esel vorne ein schnelleren Schritt drauf haben, stört es ihn nicht. Er macht sein Tempo ( bei Kids 3 kmh) falls das Kind Mal unsicher läuft bleibt er sofort stehen, er weiß wir warten auf ihn. Wenn erwachsene es sehen und sagen den will ich übernehme ( wenn dass Kind kurz Mal nicht mag) und Unterhalten sich, geht der Kopf des kleinen ins Gras und er bleibt drin. Bekommt er aber aufmerksam läuft er super mit. Bei ihm verzweifel die Erwachsenen regelmäßig. Er sieht einfach den Sinn nicht, wenn man nur mit halber Sache dabei ist.

    Der Esel läuft z.b. nicht vor der Doppellonge, mag er einfach nicht . Dafür mag er zirensik liebend gerne. Bei mir läuft er auch an der Hand wenn ich mich unterhalt, er weiß ( merkt es ) dass ich immer die Aufmerksamkeit auf ihm und den anderen habe.


    Dass zählt auch für alle( einer ist die Ausnahme) anderen Esel. Wenn man geistlich nicht ganz bei den Esel ist, sollte man nichts von ihnen wollen. Ist der Kopf wo anders wird halt nur geschmußt. Anders ist es bei Personen die es nicht können wegen einer Behinderung, das können sie prima unterscheiden.


    Mit dem Problem am pferd, hast du Mal geschaut ob er evt. Hinter dem Pony gehen will.


    Wie lange ist der kleine jetzt bei dir? Weiß es gerade nicht mehr auswendig.

    Evt. Brauch er auch noch Zeit um dir voll zu vertrauen, manche Esel brauchen da bis zu 2 Jahren. Je nach Vorgeschichte und dem was sie kennen.

    Gruß moni

  • Also, der Esel ist jetzt seit Januar bei mir. Er liebt es, Neues zu entdecken und da macht er auch super mit: erläuft durch ein Planschbecken, über eine Plane, steigt aufs Podest etc.

    Wenn wir draußen spazieren sind, laufen wir auch nicht nur stupide gerade aus: Wir gehen über Gullideckel, Baustellenabsperrungen, zu Streubehältern etc. oder klettern in einem kleinen Wäldchen über Stock und Stein. Das klappt alles prima.

    Nun waren wir im allerdings bei Familie Wulke, um zu sehen, welche „richtige“ Aufgabe dem Esel zukommen soll. Und haben uns schließlich fürs Fahren entschieden. Wir sind dort mit der Kutsche wirklich 20 min flott unterwegs gewesen. Viel Trab oder auch zügiger Schritt.

    Eure Antworten verunsichern mich doch recht. ?

    Gibt es hier im Forum vielleicht Esel-Fahrer?

  • Als ich Benny bekommen habe, habe ich ihn erst mal 14 Tage in Ruhe gelassen. Dann habe ich mit dem Spazierengehen angefangen. 2 Wochen ging das gut, dann blieb er von einem Tag auf den anderen nach 20m stehen.

    Ich habe es immer gleich gemacht. Ihn rausgeholt, geputzt, spazieren gegangen, dann gab es eine kleine Belohnung und wieder zurück zur Herde.

    Als er nicht mehr gehen wollte, habe ich mir eine Gerte gekauft. Einmal eingesetzt lief er wieder, danach reichte ein zeigen der Gerte und evtl. ein leichtes antippen. Den Schleichgang kenne ich auch, ich habe dann die Gerte gehoben und 'Benny Schritt' gesagt. Mit der Zeit ist auch das besser geworden. Heute geht er normal im Schritt, manchmal ziemlich flott sogar.

    Gruß aus Alfter
    Es gibt Tage im Leben eines Mannes, da sollte er seinen Hut nehmen, sein Pferd satteln und der Sonne entgegen reiten.