Jungesel : wieviel und welche "Arbeit" in welchem Alter?

  • In einem anderen Thread hier hab ich gelesen "mit Bodenarbeit kann man gar nicht früh genug beginnen". Und andererseits werden Jungesel altersmässig mit Kleinkindern verglichen, mit denen man am besten gar nichts machen darf, ausser Kuscheln und dem notwendigen Hufegeben und Führen-lassen, - Letzteres am besten anscheinend auch nicht im Gelände, weil da zu viel "Unheimliches" lauert, was die Tiere überfordern könnte...



    Daher mal die Frage nach Konkreterem : was, wieviel und in welchem Alter empfiehlt sich für Esel?



    Wenn ich von Pferden ausgehe, so gibt es da ja auch Meinungen, dass mit Pferden unter 3 bzw 4 Jahren am besten gar nichts gemacht werden sollte, da es ja noch "Kinder" sind. Allerdings werden in wildlebenden Herden Jährlingshengste bereits aus der Herde hinaus-komplimentiert, bilden Junggesellenverbände und müssen sich ("im Kindesalter"??) durch's Leben schlagen, Umweltreize verarbeiten, Futtersuche, Raubtieren entkommen, überleben... Wenn man da jetzt einen Vergleich ziehen wollte, dass man doch nicht eine Kindergartengruppe ohne Aufsicht und Schutz los schickt, dann hinkt der Vergleich doch ziemlich?



    Dass man weder Pferd noch Esel oder sonst ein Tier Last tragen oder ziehen lässt, bevor das Skelett dazu in der Lage ist, steht ausser Frage.


    Es geht mir hier eher um die Kopfarbeit, denn unsere eintönigen, übersichtlichen, räumlich begrenzten Paddocks und Weiden bieten dann doch nicht die Fülle an Eindrücken und Lerngehalten, denen freilebende Tiere tagtäglich begegnen.

  • Hallo.

    Man sollte schauen wie dass Tier sich verhält. Die einen brauchen Zeit zum Wachsen und die anderen langweilen sich schnell und wollen was machen . Bis 2 jährig würde ich das Fohlen ABC machen Hufe, Halfter ein bisschen führen. Ab und an Mal Schrecktraining, spielerisch mit Mama in den Hänger steigen, kurze Fahrten Unternehmen. Kurze einfache Sachen. Ab 2 ( 2 1/2 ) kann man kurze Wanderungen machen. Langsam steigern. Dass würde ich sagen. Bzw, dass wurde bei meinem einen Jungspund gemacht. Habe ihn 3 jährig übernommen, da lief er schon kurze Wanderungen und kannte dass ABC mit hängerfahren.

    Gruß Moni

  • ...

    Ab 2 ( 2 1/2 ) kann man kurze Wanderungen machen. Langsam steigern. ...

    Gruß Moni


    Wie kurz sind "kurze" Wanderungen? Ab 2 Jahren? Ich denke, bei freilebenden Eseln müssen schon die Saugfohlen schon ziemliche Wanderungen mitmachen. Ich weiss zwar nicht, ob freilebende Eselherden täglich solche Distanzen zurücklegen wie Wildpferde, aber da sie in extensiven Regionen leben, müssen sie sicher auch beträchtliche Entfernungen zurück legen, damit die Stute ausreichend Nahrung findet, um ihr Fohlen aufzuziehen.

  • Hallo Isabell, im Prinzip hat -hexe das Wesentliche schon gesagt und bei Pferden ist es nicht anders - das Individuum gibt das Maß vor.

    Neben der Belastung der Knochen, Bänder und Sehnen ist der eine Kopf nach 5 Minuten bereits überfordert und der andere noch nichtmal auf Betriebstemperatur und ich denke wir sind uns einig das wir ebensowenig den Kopf überfordern wollen wie den Körper.

    Grundsätzlich ist auch was man erreichen bzw später machen möchte und natürlich auch in welchem Maß. Hat man zu seinen Vorstellungen noch den passenden Equiden tastet man sich an, stellt es sich beim Esel heraus das die Arbeit, die einem vorschwebt nicht zum Tier passt sollte man zügig umdenken.

    Mit meinen Jungtieren übe ich primär das ABC - dazu gehört neben anfassen, putzen, Füße geben, Füße waschen (Eimer und Schlauch), Hufbearbeitung, Hänger und angebunden sein auch spazieren gehen mit Mutti und/oder der Gruppe. Nachdem sie 1 jährig sind und die Basis solide genug ist auch allein sein und allein mit Mensch sein (heißt kurze Ausflüge, allein angebunden sein, allein nach Haus gehen, ..) - Basics eben. Wenn diese sitzen weiß ich eigentlich schon in welche Richtung die Esel interessen haben ( sind es laufschweine (Handesel bei Ausritten, Packtiere, Spaziergangsgefährten), lernen sie lieber Tricks, sind sie für alles offen oder schau ich sie bis auf das nötigste für ein Jahr mit dem Arsch nicht an).

    Das ist bei meiner Basis überhaupt kein Problem (meine Eselstuten sind hauptsächlich Landschaftpfleger auf insgesamt 20 Hektar und Arterhalter) - bei einer reinen Paddockhaltung würden meine Jungtiere ohne zusätzliche Reize wohl arg in Mitleidenschaft gezogen werden.

    Nichts desto trotz - was willst du später machen?

    Jeder junge Equid kann eine Decke, einen Sattel, ein Geschirr, Maschinen, Wald und Wiese, Dörfer, Spaziergänger, Hunde, Spaziergänge kurzum das moderne Leben kennen lernen. Am besten mit Mutti oder Kumpel/ine die/der das alles kennt.

    Wie zu Beginn geschrieben - das Individuum gibt das Maß vor. Der Mensch sollte das erkennen und sich danach richten.


    Da ich keinen Plan von dir, deinem Esel oder der Haltung habe kann ich nur so antworten. Ich schau mal im Forum, wenn ich etwas finde editiere ich vielleicht noch etwas in diesen Beitrag.

    Alles klar, Pferdeerfahrung, kein Esel aber wissensdurstig.


    Zur Bewegung vor 2 Jahren habe ich einige Stuten und Fohlen abwechselnd (da ich nur ein Gerät hatte) mit einem GPS Tracker versehen und Routen aufgezeichnet. Die genauen Tages-KM habe ich nicht mehr im Kopf (ich meine aber es waren nie unter 10) allerdings war sowohl die Route (Kalkhänge, Wald) stark von der Gruppenzusammenstellung (damals lebte noch eine alte Eselin mit durch frühere, unbehandelte Rehe atrophierten Hufbeinspitzen), der Fläche (Futter, Wasser, Schatten, Wanderer), dem Wetter (Hitze, Nässe, Insekten) und noch irgendetwas das mir gerade nicht einfallen will abhängig.

    Bei Eseln gibt es keine klare Hierachie - jede Situation wird von allen beurteilt und das Tier welches diese erfahrungsgemäß am sichersten einschätzen und auflösen kann ist die Orientierung für den Rest.

    Schafft man es als der tolle und weise Affe bekannt zu sein folgen (mir, meine) die Esel überall hin.

    Wallache sind hier auch wesentlich unkomplizierter als Stuten, aber meiner Erfahrung nach "hilfloser" in jungen Jahren.

    Edited 2 times, last by Asinus ().

  • Zur Bewegung:

    Wildpferde und Esel sind nicht gleich:

    Wildpferde als Steppentiere sind Nomaden; Esel, die sich in den steinigen Hochwüsten Nordafrikas entwickelten, sind eher territorial. Bewegungsdrang wie auch Bewegungsradius unterscheiden sich deutlich.


    uta

    Think positive -

  • Hallo.

    Es Tier das von Futter zu Futter dann zum Wasser ,..... Zieht . Finde ich ist was anderes wie ein Tier das mit dem Menschen eine kurze Wanderungen macht. Beim einen kann es z.b. den Weg , die Strecke , die Pause wählen wie es will , beim anderen sollte es wenn das Tier Erziehung genossen hat sich dem Menschen anpassen.

    Kurz könnte heißen 1 - 2 Stunden oder 5 Kilometer.

    Wie asinus schreibt, bei ihr machen sie es an einem Tag über 10km ,aber das ist auf den Tag gerechnet z.b.

    Gruß Moni

  • Ergänzend dazu noch: Es ist ein großer Unterschied, ob Tiere eine Strecke immer geradeaus gehen oder suchend mal rechts mal links. Das Geradeausgehen bedeutet eine ganz andere Belastung der Gelenke und der Muskulatur und ist deutlich anstrengender als die Futtersuche.


    uta

    Think positive -