Noch mehr Kreuzkraut / Greiskraut

  • Eigentlich habe ich gestern nur mal die "Grenzen" abgelaufen - Kontrollgang, wenn man so will, gesucht habe ich unseren Finde-Kater (jetzt Pflegekater).


    "Gefunden" habe ich eine ausufernde gelb blühende Pflanze, wo bei mir schon "aus dem Augenwinkel" alle Alarmglocken angingen, wurde bei näherer Besichtigung nicht besser (ich weiß, man geht nicht einfach auf fremde Grundstücke, aber er hat kleine Kinder, Pferde und Schafe und nie Zeit, also ...).

    Meine Bestimmungsbücher waren in diesem Fall nicht ergiebig, sie sind aber auch alle schon älter (30 plus).

    Gefunden hab ich das gelbe "Pflänzchen" dann auf der Seite vom Arbeitskreis Kreutskraut e.V.: "hochtoxisch" steht da und es blüht wohl bis in den November hinein:cursing:

    Hab erst gezweifelt, weil die grünen Blätter so ganz anders aussehen, lang, schmal, ein wenig wie Rosmarin, aber länger/größer.


    Die Schweiz schreibt vor, es zu bekämpfen (invasive Art, Rückgang der biologischen Vielfalt, da Bedrohung der einheimischen Arten ) ... also bin ich noch mal los ...


    Das "Pflänzchen" liegt jetzt gut verpackt in Papiertüten (nur die Blüten, so viele Bäckertüten für alles hatte ich gar nicht, das Grünzeug weht ja nicht weg) in Omas altem Emaillekessel und wartet aufs nächste Nutzfeuer im Kessel ... ich hoffe, ich habe alles erwischt und der Eigentümer ist nicht allzu sauer.

    Diese KK- Variante war für mich völlig neu, noch nie gesehen, und bei gelben Blüten sehen wir automatisch genau hin, auch, wenn wir mal Ausflüge etc. machen, ist einfach antrainiert und sitzt fest.

    Und anscheinend gewinnt sie Boden ...

    In Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg soll sie schon länger sein ...


    Also Augen auf bei 11 bis 13 Blütenblättern außerhalb der gewohnten Blüh-Zeiten, und inzwischen wohl nicht mehr nur an Straßenändern, sondern auch auf "Futtergewinnungsflächen"


    Das niedrige "gemeine oder gewöhnliche Kreuzkraut" findet das aktuelle Wetter wohl auch gut, hier (nördliche Wetterau / Hessen) wächst es wie blöd, ich reiße fast täglich welches aus.


    Irene

  • Hallo Irene,


    hier bei uns wächste es auch immer mehr. Leider kümmern die Bauern sich wenig darum, entsprechend viel ist auf den Wiesen zu finden und dann auch im Heu. Da muß man sehr aufpassen, wo man welches kauft.


    Aber eigentlich ist ja nur das Jakobsgreiskraut (senecio jacobaea) so hochtoxisch, und das sieht doch nicht wie Rosmarin aus ?


    Meine Wiese ist zum Glück "clean" auch weil ich beim täglichen Abäppeln immer nach den kleinen Blattrosetten Ausschau halte und sie aussteche. Zur Blüte ist noch keins gekommen :evil:


    Zur Zeit kämpfe ich auch gegen Roten Fingerhut...


    Viele Grüße

    Marita

  • Das Zeug ist die Pest. Ich kenne Leute, die JKK-Vernichtungsfeten machen,

    um es los zu werden. In der Eifel, wo ich 25 Jahre lang wohnte, konnte ich von Jahr zu Jahr zusehen, wie es sich meinem Hof mit dem Westwind näherte. irgendwann war es da - aber die Bauern rundherum hat es nicht gestört - bis ihnen auch mal ein paar Kühe daran eingingen. So war es in WEstfalen auch: die Pferdebesitzer waren verzweifelt, "die Bauern" fanden sie albern. Dann starben in einem Betrieb 13 Kühe "auf mysteriöse Weise" und bald darauf im Nachbarbetrieb auch etliche. Die Untersuchung ergab JKK. Jetzt endlich wurde man hellhörig und hat gewarnt.


    JKK-Ausgraben ist was für Leute, die ganz schlimme Sünden abzuarbeiten haben ;-) . Ich hab mittlerweile einen stabilen Unkrautstecher, wie man ihn auch für Löwenzahn nimmt. Nach dem Regen (war hier seit April nicht mehr ) ziehe ich los.


    Ärgerlich - wenn auch im Endeffekt erleichternd - aber ist es, wenn man das Habichtskraut damit verwechselt und sich davon Säcke voll macht... Ist mir hier passiert, weil ich voll auf JKK geeicht und wohl blind vor Eifer war; und die sehen sich tatsächlich sehr ähnlich.


    Übrigens wird es nicht nur in der Schweiz per Gesetz o.ä. bekämpft, d.h. die Grundbesitzer müssen es vernichten - das ist noch in einigen anderen europäischen Staaten so. Ich weiß nicht mehr welche - aber einige haben die Gefahr schon erkannt. Hier in Brandenburg noch nicht.


    uta

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    Diese Art Punkte zu sammeln mag ich nicht, will ich nicht und brauch sie auch nicht. Danke.

  • Ich hab hier mal bei einem Bauern, der auch Pferde züchtet, nach Heu gefragt. Der kannte es noch nicht einmal und fand mich wohl etwas hysterisch :/

  • ...was meinst Du, wie das vor 30 Jahren war, als einige Pferdeleute auf JKK aufmerksam wurden...

    Die haben uns nur ausgelacht.


    uta

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  • Marita

    Den Alkaloiden ist es egal, aus welcher Unterart sie kommen, also auch diese Art löst sowohl die Leberschäden bei geringer Dosis als auch gleich Exitus bei hohen Dosen aus, sagen zumindest die Seiten, die ich bisher dazu angesehen habe. Laut Bundesamt für Naturschutz ist es in seiner Heimat durchaus für Todesfälle unter der Bevölkerung verantwortlich, da es auf Äckern wächst und so ins Getreide kommt ( Weidetiere pauschal dito).


    Jkk hat jeder hier auf dem Schirm, der Weidetiere draußen hat, im Forum ja auch, diese Variante scheints bisher kaum ins Bewußtsein der Tierhalter geschafft zu haben, siehe der Eigentümer der von mir "geernteten Pflanze", JKK vernichtet er nämlich konsequent.

    Und da unsere Katzen da vorbei schleichen, wenn sie den "Hinterausgang" nehmen, und sich eben wie Katzen putzen, hab ich nicht lang gefragt und ausgerissen (saumäßig stabile Wurzel übrigends bei der Größe, mit Ausstechen bei dem Basaltuntergrund wäre nichts gewesen)

    Hab vorhin noch mal in eine meiner Kreuzkraut-Tüten geschaut, wo gestern noch nicht ein Samenstand reif war, sind es jetzt viele - Mistzeug - auch diese Sorte. Und da sie hier nicht heimisch ist, wird sie hier auch keine Fressfeinde haben, wie JKK (Schmetterlingsraupen, leider eine seltene Art: Jakobskrautbär, sehr hübscher Falter).

    Also mal schmalblättriges Kreuzkraut bei Google eingeben und Bilder gucken, für Fotos wars gestern zu dunkel (endlich mal mehr als 5 Tropfen Regen) und mein jetziger "Trümmerhaufen" gibt nichts mehr her, was "anschaulich" brauchbar wäre.


    Irene

  • Mir ist aufgefallen, das JKK wenn es verblüht ist, unterhalb der vertrockneten Blüte nochmals austreibt und wieder blüht.

    Ich wundere mich immer wieder über die Unkenntnis bei vielen Reiter,

    Gruß aus Alfter
    Es gibt Tage im Leben eines Mannes, da sollte er seinen Hut nehmen, sein Pferd satteln und der Sonne entgegen reiten.

  • Das machen eigentlich die meisten Pflanzen / Stauden, bei meinen Lavendel-Kissen und Wegwarte (Zichorien)-Stauden schneide ich das Verblüte immer (naja fast immer) ab, umso kräftiger blühen sie nochmal (derzeit auch noch) und die Insekten freuen sich, funktioniert auch bei manchen Sträuchern, meine Weigelie ist da, wo ich geschnitten habe, noch mal "komplett rosa", da, wo ich nicht dran gekommen bin, normal grün. Auch Weidenröschen und Nelkenwurz verzweigen üppig, ganz ohne Schneiden, auch die großen Sonnenblumen, da werden die Nebenblumen aber deutlich kleiner.

    Hier haben manche beim Ausreiten große Säcke dabei und entfernen zumindest die Stiele mit den Blüten (reiten, absteigen, rupfend eine Strecke mit dem Pferd laufen, aufsitzen und weiter reiten), eine Bekannte (reitet auch und vernichtet schon seit Zeiten an den Wegrändern) sagte mir, einen Sack pro Ausritt pflücken - ist so eine Reithallen-Challenge, nur irritieren die Säcke wohl manche Pferde, klappt nicht bei jedem.

    An manchen Wegen greift es so langsam ...

    Und gestern sind hier die ersten Kraniche (kleiner Verband ca 40 Tiere) durch, Richtung stimmte, Uhrzeit auch, aber in anderen Jahren sind sie erst Anfang Oktober geflogen ...

    Jetzt ist wirklich Herbst ...


    Irene

  • Hoffentlich haben die Reiter Handschuhe beim Abpflücken von JKK an - das Gift wirkt nämlich auch durch die Haut.Und nicht die Reithandschuhe nehmen, mit denen man sich dann mal durchs Gesicht wischt oder so...

    Aber die Idee ist super! Und wenn die das lange genug machen, gewöhnen sich die Pferde auch daran..


    Die Kraniche sind hier schon lange durch, die Schwalben schon lange weg. Aber am See nebenan bleiben ja immer Kraniche und etwa 1000 Wildgänse über den Winter, so dass die Lautkulisse erhalten bleibt.


    uta

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  • Es ist eine "Pferde-Stadt", es gibt viele Pferdehalter, pflegen alle ihre eigenen oder gepachteten Flächen selbst, machen ihr Heu selber und/oder "tauschen" landwirtschaftliche" Maschinenstunden untereinander, es gibt sogar einen, der noch Hafer anbaut, und abgerechnet wird "schon immmer" an Martini - das Ende des landwirtschaftlichen Jahrs mit großem Markt und Brimborium ab 5 Uhr früh (da zieht der Markttrommler durch die Gassen und weckt alles).

    Sie wissen eigentlich alle, was sie tun (Handschuhe) , und der Ortslandwirt hat mir damals, als es mehr wurde, wie vielen anderen auch, die Planze unter die Nase gehalten, und auch

    besonders @ Uta

    ein Habichtskraut und andere ähnliche, damit die Energie für die "richtigen" Pflanzen verwendet wird (ist nämlich auch hier passiert).

    Macht er auch bei anderen Pflanzen, die "auch nicht so gesund", wie er immer sagt, sind, wo immer ihm was auffällt (und grade im Naturschutzgebiet gibt es viele davon und sie "wandern" auch auf nebenan liegende Flächen) auf Weiden und Heuwiesen, und da er seit ein paar Jahren auch jagt, kommt er viel rum.

    Er ist auch immer mein Ansprechpartner, wenn wieder Tiere frei laufen (Rinder, Ziegen Pferde), wo ich nicht weiß, wem sie gehören, er weiß es immer (oder sein Vater), das funktioniert immer sehr schnell (auch bei nicht da schon immer lebenden Zugezogenen, DAS funktioniert).


    Irene

  • Das klingt doch gut. Bei uns stehen viele Pensionspferde, deren Besitzer reißen, wenn überhaupt, das JKK aus und werfen es über den Zaun.

    Bei den Obstwiesen vom BUND ist JKK diese Jahr auch rausgerissen worden, wahrscheinlich weil sich dort einer Heu gemacht hat.

    Gruß aus Alfter
    Es gibt Tage im Leben eines Mannes, da sollte er seinen Hut nehmen, sein Pferd satteln und der Sonne entgegen reiten.

  • Insgesamt habt Ihr es ja doch noch alle gut. Hier kennt es keiner, will es keiner sehen, macht sich lustig über einen, wenn

    man darauf hinweist. Deshalb tue ich das einfach nicht mehr - verschwendete Energie.


    uta

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  • @Uta.

    So ist es hier auch :(


    @Irene

    Danke, Irene! Das hatte ich nie auf dem Schirm, obwohl ich alles checke, was da grünt und blüht.

    Aber ich war wohl zu sehr mit JKK, Digitalis, Tollkirsche und Ginster beschäftigt.


    Habe ich hier in der Gegend auch schon gesehen, und an Straßenböschungen.

    In der dirketen Nachbarschaft ist es noch nicht aufgetaucht.


    Wieder einmal ein Beweis dafür, wie nützlich unser Forum ist :)

  • Auf einem Teil unserer Weide macht sich dafür der Natterkopf (echium vulgare) breit. Habe gestern erst eine Schubkarre voll Blattrosetten ausgestochen, mit so einem Ding wie Uta hat.


    Diese schönen Pflanzen haben das gleiche Alkaloid wei JKK. Und das doofe ist, dass die Tiere die frischen Pflanzen auch gerne essen.


    Der Kampf geht weiter.....:evil:


    P.S.: Ums Haus herum hab ich ein paar stehen lassen, für die Insekten :saint:

  • Entgegen der landläufigen Meinung fressen Pferde+Esel gelegentlich auch die Blattrosetten.

    Hab - nicht nur ich - mit eigenen Augen gesehen. Soviel zum sagenhaften Instinkt der Esel....


    uta

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  • Das habe ich auch schon gesehen Uta, bei blühendem JKK

    Ein paar Kilometer von uns weg haben diese Ignoranter vor ein paar Jahren einen Dreijährigen einschläfern müssen und zwei andere hatten einen schweren Leberschaden. Danach haben sie in einer Aktion 12 große blaue Säcke JKK von einem Morgen runter geholt. Leider zu spät.

    Gruß aus Alfter
    Es gibt Tage im Leben eines Mannes, da sollte er seinen Hut nehmen, sein Pferd satteln und der Sonne entgegen reiten.